Samstag, 8. Dezember 2012

Tropfen auf heiße Steine






















Regie: Francois Ozon

Träume...

1964, im Alter von 19 Jahren schrieb Rainer Werner Fassbinder das Theaterstück "Tropfen auf heiße Steine", das von ihm selbst nie verfilmt oder aufgeführt wurde.
Francois Ozon adaptierte das Stück im Jahre 2000 fürs Kino.
Wir sind irgendwo in einer deutschen Wohnung der 70er Jahre.
Dorthin hat der 50jährige Leopold (Bernard Giraudeau) einen jungen Mann namens Franz (Malik Zidi) eingeladen. Er hat ihn einfach auf der Straße angesprochen, Franz wirkt nervös und erzählt von seiner Freundin Anna (Ludivine Sagnier), die er bald heiraten möchte.
Die beiden Männer reden über dies und das und Leopold kommt dann auch auf das Thema Sexualität zu sprechen. Er fragt den etwas schüchternen 20jährigen, ob er auch schon mal mit einem Mann geschlafen habe.
Der Junge lässt sich tiefer auf die Unterhaltung ein und erzählt von einem Traum, den er lustvoll empfindet. Der Liebhaber seiner Mutter kommt mit einem Mantel in sein Zimmer und zieht sich vor seinen Augen aus.
Einige Monate später: Leopold und Franz sind ein Paar, doch der Alltag ist in die Beziehung eingezogen. Im Bett klappt es nach wie vor gut, aber Leopold ist ein Nörgler, der Franz ständig kritisiert.
Leopold - so gewinnt man den Eindruck - benutzt seine Mitmenschen, ködert sie mit seiner Liebe und beugt ihren Charakter, bis sie ihm devot verfallen sind. Es zeichnen sich bereits Tendenzen ab, dass er dem jungen Lover, der auch noch arbeitslos ist, langsam überdrüssig wird.
Er macht ihm den Vorschlag auszuziehen und die Beziehung trotzdem weiter zu leben, denn im Bett läuft es ja gut - nur im Alltag nicht.
Das Leben geht weiter: Leopold bringt das Geld nach Hause und Franz kümmert sich mit jugendlichem Eifer um die Wohnung und hat inzwischen einen Aushilfsjob. Die Reibereien mehren sich, bis eines Tages während Leopolds Dienstreise Franz von seiner ehemaligen Freundin Anna Besuch bekommt. Anna liebt Franz noch immer und sie überredet ihn, dass er wieder mit ihr kommt, um zu heiraten und Kinder zu haben.
Leopold kommt nach Hause und mit dem Auftauchen von Leopolds ehemaliger Freundin, der transsexuellen Vera (Anna Thomson) kommt es zu einem tragischen Psychokrieg dieses Quartetts, es wird getanzt "Tanze Samba mit mir", gekränkt und am Ende verliert der, der liebt...


Dem Film merkt man die Nähe zum Theaterstück an, es spielt sich alles in Leopolds Appartment ab.
Dabei wählte Ozon einen etwas grellen, schrillen Inszenierungsstil mit einer gewissen Künstlichkeit.
Die Geschichte dringt aber sehr tief in die menschliche Seele vor, es ist im Grunde eine traurige Geschichte über Einsamkeit, Identitätslosigkeit und Abhängigkeit in einer oberflächlichen Welt.
Neben "Unter dem Sand" vielleicht Ozons bester Film.....und ein Wiederhören des wunderschönen Liedes "Träume" von Francoise Hardy.


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

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